
Vor einigen Tagen schlug die Nachricht ein wie eine kleine Bombe.
Vivendi schiebt seine Gamesparte, inklusive bekannte Namen wie Blizzard oder Sierra, zu Activision rüber. In der Presse und auf vielen Seiten
wurde es aber oft falsch kommuniziert und teilweise las man sogar
„Blizzard kauft Activision“, das ist natürlich Falsch. Der ganze
Vorgang ist ein wenig Komplexer.Vivendi probiert seit Jahren (Lange vor
World of
Warcraft, als Vivendi noch kurz vor der Pleite standen) ihre Gamesparte
los zu werden. Als potentielle Käufer kamen damals
Electronic Arts und
Microsoft in Frage, die sich interessiert zeigten an den
Entwicklerteams von Vivendi. Leider gab es jedoch zwei Bedingungen
seitens Vivendi, welche einen Verkauf unmöglich machten. Auf der einen
Seite wollten sie nur die gesamte Sparte im Paket verkaufen und
zweitens verlangten sie eine viel zu hohe Summe. Daher fand sich am
Ende kein Käufer mehr. Dank
World of Warcraft hat
Blizzard dann jedoch
das gesamte Unternehmen wieder sanieren können und führte Vivendi sogar
in ein leichtes Plus.
So wie sieht der Deal nun genau aus? Als erstes
wird das gesamte Vivendi Games (Inklusive Blizzard) eine
hundertprozentige Tochter von Activision. Das heißt sie sind
gleichgestellt mit den anderen Activision Entwicklern wie zum Beispiel
Infinity Ward (
Call of Duty) und Neversoft (
Tony Hawk's Pro Skater, Guitar Hero).
Aufgrund der Bekanntheit von Blizzard wird das Unternehmen im gleichen
Zuge umgetauft in
„Activision Blizzard“. Trotzdem wird Blizzard selbst
weiterhin unter dem Lable „Blizzard Entertainment inc.“ agieren.
Kompliziert oder?

Dafür das Vivendi Activision nun die Gamesparte
„verkauft“ hat, bekommen sie im gleichen Wert Aktienanteile an
Activision. Um die Verwirrung komplett zu machen ist aber nicht nur
Vivendi Games mit Activision fusioniert, sondern das französische
Mutterunternehmen Vivendi sicherte sich auch die Rechte weitere 1,7
Milliarden Dollar in Aktien erwerben zu können. Sollte das Kartellamt diesem
zustimmen, besitzt am Ende dieses Deals das französische Unternehmen
Vivendi 52% vom neuem Unternehmen „Activision Blizzard“. Neben dem
Kartellamt müssen aber auch noch die Activision-Aktionäre zustimmen.
Durch diesen Deal entsteht dann der größte
Publisher auf dem Markt, noch vor Electronic Arts. Viele jubeln schon
in den Foren, wie toll es doch ist und endlich muss man nicht mehr
unter der Vormachtsstellung von EA leiden. Diese Leute vergessen leider
etwas ganz gewaltiges. Electronic Arts hat eine prall gefüllte
Kriegskasse und schleicht schon seit einiger Zeit um Ubisoft (Vor dem
Activision/Blizzard Deal der zweitgrößte Publisher nach EA) herum. Nach
dem nun ein französisches Unternehmen ein amerikanisches übernommen
hat, wird es vermutlich nicht mehr lange dauern bis die Amerikaner (EA)
sich nun an einen Franzosen (Ubisoft) satt frisst.
Somit kann man davon ausgegangen werden, dass
unter den Kanadiern ein noch größeres Unternehmen entstehen wird, als
das neue Activision Blizzard. Und dann hat der Spieler (Und auch die
kleinen Entwickler) nicht mehr die Auswahl aus vier großen Publishern,
sondern nur noch aus zweien. Und dies wird auf langer sicht zu
Qualitätsverlusten und Preissteigerungen führen. Auch wird man abwarten
müssen wie die Microsoft Game Studios auf diesen Deal reagieren.
Eigenständige Entwickler wie zum Beispiel
Flagship
Studios (
Hellgate: London) oder
Bethesda (
The Elder
Scrolls IV: Oblivion) werden immer
seltener. Die meisten Entwickler sind mittlerweile aufgrund der Kaufwut
der großen Hersteller geschluckt worden. Aktuelle Beispiele sind
Irrational Games (
Bioshock) welche von Take2 gekauft wurden,
Bioware(
Mass Effect),
Mythic (
Warhammer Online) und
Pandemic (
Mercenaries)
gingen an Electronic Arts oder auch das etwas ältere Beispiel: Die
Lionhead Studios (
Fable), die mittlerweile zu Microsoft gehören.

Auf der einen Seite sorgt das Arbeiten unter einem
großen Unternehmen für finanzielle Sicherheit, anderseits wird ein
weiterer Druck aufgebaut. Bei Electronic Arts ist es zum Beispiel keine
Seltenheit, dass für ein Spiel lediglich 9 Monate Entwicklungszeit
gebraucht wird (Das sehr gute
James Bond: Nightfire zum Beispiel). Und
da wird es als Entwickler immer schwerer zu erklären, dass man für sein
Spiel einfach mal 3 oder 4 Jahre braucht. Natürlich wird durch das
Know-How bei den großen Publishern einiges an Zeit gespart, so
unterhält Electronic Arts zum Beispiel Teams welche sich auf
Physikengines spezialisiert haben und den anderen Entwicklern beratend
zur Seite steht. Und auch bei Nintendo profitieren die Entwicklerteams
durch die enge Zusammenarbeit mit den Hardwareentwicklern im Haus.
Overall erwarte ich aber durch den Activision
Blizzard Deal für den Spieler auf langer sicht mehr Nach- als Vorteile.
Denn der Publisher Markt schrumpft immer weiter und die
Vormachtstellung von Electronic Arts und Co. Wächst immer weiter an und
kleine Entwickler sind mittlerweile die Ausnahme geworden. Von daher
sollte man den Sekt lieber noch mal kalt stellen und abwarten was die
Zukunft so bringt.